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„Omar schüttelte den Kopf. Seit neun Gottesnamen waren sie nun schon beisammen, doch was wusste er über den verschleierten Kasimiten, den er seit über 100 Tagen durch die Wüste begleitete? Nie hatte dieser in der ganzen Zeit über sich gesprochen. Auch hatte er es vermieden, Omar mit seiner Sippe bekanntzumachen. Wann immer sie Ausrüstung oder Lebensmittel brauchten, nahm er das Kamel und verschwand für einen Tag in der Wüste. Doch schwieg er sich darüber aus, wohin er gegangen war und warum es verboten war, ihm zu folgen. Nur über mich wollte er alles wissen, dachte der Novadi.
Er hob den Kopf und blickte zu Gwenselah auf, der noch immer vor ihm stand. »Was glaubst du, wer ich bin? Zu welchem Stamm gehöre ich wohl?« Omar spuckte dem Verschleierten vor die Füße. Er hatte es gewusst! Der Krieger fing wieder an, seine makabren Späße mit ihm zu treiben. »Was sollst du schon sein? Du bist ein Verrückter! Ein Kasimit, warum sonst solltest du ständig einen Schleier tragen und dich davonstehlen, wenn du essen und trinken musst, damit ich nur dein Gesicht nicht sehe!«
»Ich gehöre zum Stamm der Beni Geraut Schie.« Der Novadi lachte laut auf. »Für wie dumm hältst du mich? Ein Kind würde dir das vielleicht glauben … Du könntest mir genauso gut erzählen, du seist ein Riese oder ein Löwe mit Menschenkopf. Ich glaube nicht an Märchen und an die Geschichten, die Kaufleute sich abends in den Karawansereien erzählen.« »Du glaubst also nur, was du siehst?« Omar kannte diese Falle. Wahrscheinlich würde dieser Gottlose ihn als nächstes fragen, warum er dann an Rastullah glaubte.
Doch Gwenselah schwieg. Statt einer Antwort nahm er Schleier und Kopftuch ab. Der Krieger hatte schulterlanges silbriges Haar und unnatürlich verformte Ohren. Sie waren länglich und spitz. »Glaubst du mir jetzt?« Omar wusste nicht, was er sagen sollte. Hastig schlug er ein heiliges Zeichen, denn nach allem, was er über die Beni Geraut Schie gehört hatte, waren sie Dämonen, die allein das Verderben der Rechtgläubigen im Sinn hatten. »Soll ich auch meine Kleider ablegen und dir zeigen, wie hell meine Haut an jenen Stellen ist, die die Sonne nie erreicht?«
»Ich glaube dir … Ich …« Wie verhielt man sich einem Dämon gegenüber? Jedes Wort wollte jetzt gut bedacht sein! »Wie ich sehe, kennst du die Märchen, die man sich über meine Schwestern und Brüder erzählt, sehr wohl.« Gwenselah lächelte. »Aber du brauchst keine Angst zu haben. Ich bin kein aus dem Wüstensand geborener Dämon, obwohl …« Der Krieger zögerte. Dann schüttelte er den Kopf. »Du hast mich für einen Kasimiten gehalten. Man verwechselt uns sehr oft mit diesen religiösen Eiferern. So bleiben mir und den Meinen viele Fragen erspart, doch die Tage von uns Wüstendämonen, wie man uns so oft nennt, sind gezählt. Mein Volk wird bald die Khôm verlassen …«“
— Bernhard Hennen: Rabensturm (Roman)
Nachdem die Gefährten Phileassons im ersten Teil des Abenteuers ein Pferderennen bestreiten und einen Bettlerzug durch die Wüste Khôm vorbereiten mussten, führt sie der zweite Teil von Wie der Wind in der Wüste durch die sandige Einöde und – wenn auch ungeplant – zur sagenumwobenen, längst versunkenen Stadt der Hochelfen: Tie’Shianna.
Ziel der Überarbeitung war es, den Besuch der antiken Ruinenstadt an das aktuelle Regel- und Geschichtswerk von Aventurien (insbesondere Land der ersten Sonne und Raschtuls Atem) anzupassen. Im Vordergrund stand dabei, neben den üblichen Überarbeitungen einiger Altlasten
(z.B. die tödlichen Sphärensprünge im Tempel der Orima) und einer neuen Illustration von Felix Mertikat (siehe unten) auch dem Stamm der Wüstenelfen – den Beni Geraut Schie – etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Während in einer ersten Skizze den Wüstenelfen eine umfangreiche Historie und Charakterbeschreibung zugedacht war, mussten wir uns im Hinblick auf die Platzrestriktionen für die Gesamtsaga letztlich dafür entscheiden, den Ausbau wieder zurückzustufen und stattdessen der in der Phileasson-Saga „anfassbaren“
Oase Kei Urdhasa etwas mehr Leben einzuhauchen.
Die Phileasson-Saga kann für 35 Euro bei Amazon vorbestellt werden.
Bernhard Hennens Roman Rabensturm (eine Neuauflage der Drei Nächte von Fasar-Trilogie) kostet 9,95 Euro.
David Heise
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